Disruptives Denken: deswegen muss WordPress 5.0 noch im Dezember erscheinen

Hoho! Wir haben Dezember. In manchen Gegenden hat es schon geschneit und Weihnachten naht. Jeden Monat denke ich mir: dieses Mal hat es nicht so viele News gegeben. Im vergangenen Monat war nichts los. Aber denkste: es ist immer das Gleiche. Die Welt dreht sich. Jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr. Und so wie der Weihnachtsmann (oder das Christkind, wie man früher gesagt hat) jedes Jahr konstant kommt, so liefere ich Ihnen, jeden Monat die heißesten WordPress-News in’s Haus. Seit fast schon drei Jahren. Irre, oder?

Ich hoffe ich bin – so wie der Weihnachtsmann – eine feste Konstante bei Ihnen geworden. Jeden Monat haben Sie eine E-Mail von mir im Postfach die Sie darüber informiert, was in der WordPress-Welt so abgeht. Und das war im vergangenen Jahr ganz schön viel. Und da sind wir beim eigentlichen Thema:

Was für ein disruptives Jahr 2018!

Coverbild zum Buch Disruptiv. Ein neues Wort. Kennen Sie nicht? Man könnte es auch mit zerrüttend oder störend übersetzen. Steve Jobs war disruptiv als er den iPod erfunden hat. Denn er hat damit die CD „zerstört“ und die alteingesessenen Plattenlabel um viel Geld gebracht. Das gleiche gelang ihm nochmal mit dem iPhone. Kennen Sie noch Nokia? Den ehemals größten Handyhersteller gibt es quasi nicht mehr. Ähnliches geschieht mit unserer beliebten, deutschen Autoindustrie. Tesla hat sie alle kräftig wach gerüttelt.

Disruptiv ist auch Gutenberg. Der neue Block-Editor in WordPress. Er krempelt vieles um. Und es gibt natürlich viele Gegner, wie wir über die letzten Monate gesehen haben. Matt Mullenweg, der Gründer von WordPress, hat schon irgendwie recht: man muss nach vorne schauen. Man muss weiter denken. Und ich glaube, das hat er mit dem Gutenberg-Editor getan.

Tun Sie mir einen Gefallen: bleiben Sie auch disruptiv im Jahr 2018. Wenn Sie nicht wissen wie das geht, ist das Buch von Bernhard von Mutius (siehe Cover rechts) vielleicht ein guter Anfang.

WordPress 5.0 & Gutenberg

Bevor das Christkind kommt, kommt noch wer? Genau. Der Nikolaus. Oder der Krampus. Das hängt davon ab, wie brav man im vergangenen Jahr war. Die Frage ist: wird WordPress 5.0 vom Nikolaus oder vom Krampus gebracht? 😉

Wann kommt denn WordPress 5 nun endlich? Schön, dass Sie fragen. Hier nochmal kurz die Faktenlage:

  1. Ursprünglich war noch eine Version 4.9.9 geplant. Was es darin Neues hätte geben sollen, hatte ich im WordPress Newsletter vom Oktober zusammengefasst.
  2. Dann aber entschied man sich, Version 4.9.9 doch nicht zu veröffentlichen und stattdessen auf Version 5.0 zu warten.
  3. Das neue Datum war dann der 19. November. Dieses Datum konnte aufgrund von Zeitmangel nicht eingehalten werden.
  4. Deshalb verschob man den Release-Termin auf den 27. November. Dieser konnte dann auch nicht mehr eingehalten werden.
  5. Nun gibt es keinen neuen Termin. Aber Matt Mullenweg hat in seinem Blogpost geschrieben, dass Gutenberg fertig sei und dass in der Vergangenheit bereits einige wichtige WordPress-Versionen im Dezember erschienen sind.
  6. Ich rechne also stark mit einem Release noch vor oder während des WordCamp US (7. bis 9. Dezember). Mindestens aber noch im Dezember vor Weihnachten.

Ich denke auch, dass das WordCamp US letztlich immer das Ziel von Matt Mullenweg war. Man muss halt ein bisschen Druck aufbauen, wenn man ein Datum einhalten will.


Einige bekannte Gesichter (unter anderem Joost von Yoast) hatten sich zuvor zu Wort gemeldet und sich dafür eingesetzt, das Release-Datum von WordPress 5.0 zu verschieben (was danach auch geschah). Ich denke, viele hatten sich Januar erhofft (en).


Eine sehr wichtige Nachricht kam dann am 7. November: Der Classic-Editor wird als Plugin von der Community noch bis 31. Dezember 2021 gepflegt und offiziell unterstützt werden (en).


Bei WP-Tavern wurde sogar darüber spekuliert, ob das Classic-Editor Plugin nicht direkt mit WordPress 5.0 ausgeliefert werden soll (en). So wie es auch mit Akismet und HelloDolly schon der Fall ist.


Wenn WordPress 5.0 erschienen ist, wird es alle zwei Wochen ein kleineres Update geben, welches die aktuellen Probleme (wahrscheinlich von Gutenberg) behebt (en).


Matt Mullenweg war auf dem WordCamp Portland zu Gast und stellte sich den Fragen aus der WordPress-Community. Das Video findet man online auf WordCamp.tv (en). Eine Zuschauerin fragte, wie man damit umgehen soll, wenn ein Plugin nicht Gutenberg-kompatibel sei. Interessantes Video. Unbedingt reinschauen.


Matt Mullenweg hatte vergangene Woche dazu eingeladen, mit ihm sprechen zu können. Dafür hatte er sich jeweils 15-Minuten Zeit genommen. 22 Personen nutzen das Angebot. Laut seinem Kommentar war den Menschen folgendes wichtig:

  • Timing of release.
  • Rosetta sites.
  • Data structures of Gutenberg.
  • The parser and formal grammar for Gutenberg.
  • User and developer documentation.
  • Accessibility testing.
  • Admin notices bug.
  • Reusable blocks and templates.
  • Helping people upgrade and learn new systems.
  • GDPR and embeds.
  • Training and workshops.

Erinnern Sie sich an meinen Kommentar zum Thema ClassicPress – WordPress spaltet sich auf (dt.)? Matt sagte, laut einem Zitat von WP-Tavern, dass es nach der Einführung des Classic-Editors vor mehreren Jahren auch einen großen Fork von WordPress gab. Anscheinend habe der Editor etwas magisches an sich, weil er die Gemüter der Leute so erhitzen kann (en).

WordPress News

DJ Walker fragte sich in der letzten Woche, ob es nicht an der Zeit wäre, sich von WordPress abzukehren (en). Seine Empfehlung sind Static-Site-Builders. Das sind Programme, die nur statische Seiten erstellen und diese dann auf den Server hochladen. Ich finde das cool, weil das unglaublich performant sein kann. Funktioniert aber nur, wenn man a) technisch versiert ist und b) eher kleinere Seiten betreibt. Auf alle Fälle nichts für Leute die aktuell mit WordPress arbeiten, weil es das einzige CMS ist, das das Editieren von Inhalt so einfach macht.


Die Preise für die Tickets zum Besuch eines WordCamps werden 2019 um 5 US-Dollar pro Person pro Tag steigen (en).


Die DSGVO hält Einzug in WordPress.org. Ich weiß nicht wann, aber die Teilen-Buttons von Twitter und Facebook werden über kurz oder lang verschwinden (müssen), da sie Daten an die jeweiligen Social Networks schicken.


WordPress 5.0 wird auch PHP 7.3-Support haben (en). Dann können wir alle auch PHP updaten!


BuddyPress ist in Version 4 erschienen (en). Hauptfokus lag auf den Privatsphäre-Einstellungen.

Gutenberg

Gutenberg wurde der neue Editor von WordPress getauft. Er wird mit Version 5.0 ausgeliefert und fleißig weiterentwickelt. Hier die Veränderungen im letzten Monat:

  • Gutenberg ist „feature complete“. D.h. es kommen keine neuen Funktionen mehr hinzu bis WordPress 5.0 erscheint.
  • Version 4.3 behob also viele Fehler. Vor allem betreffend der Accessibility (Zugänglichkeit für benachteiligte Menschen).
  • Version 4.4 verlegt das Editieren des Permalinks in die Sidebar.
  • Version 4.5 brachte die Funktion zurück, dass Bilder nun wieder die srcset- und sizes-Attribute bekamen. Ganz wichtig für die mobile SEO-Optimierung.
  • Version 4.6: viele Fehlerbehebungen.

Gutenberg wurde aktuell rund 1.2 Millionen mal installiert (en).


Die WordPress App wird Gutenberg-Support bekommen. Allerdings nicht vor Februar 2019. Eine erste Beta ist nämlich bis zu diesem Zeitpunkt geplant (en).


Jessica Lyschik hat mit gutenberg-fibel.de eine Info-Seite zum neuen Block-Editor geschaffen.


Mit dem BlockLab-Plugin lassen sich eigene Gutenberg-Blöcke bauen (en).


Mit WPStackable gibt es ein weiteres Plugin mit noch mehr Gutenberg-Blöcken (en).


David Bisset hat 40 Schülern der Generation Z über die Schulter geschaut und sie gefragt, ob sie mit Gutenberg umgehen können. 96,8% sagten „ja, nachdem ich mich ein bisschen damit auseinander gesetzt hatte“ (en).


Für Entwickler: Bill Erickson schrieb in seinem Blog darüber, wie man Gutenberg-Blöcke mit Advanced Custom Fields baut (en).


Nachdem WordPress 5.0 erschienen ist, wird Phase 2 der Gutenberg-Entwicklung losgehen. Das heißt: Fokussierung auf Sidebars, Widgets, Menüs, etc.


Mel Choyce – eigentlich verantwortlich für das Plugin-Repository bei WordPress.org – schaut sich derzeit verschiedene Site-Builder (auch außerhalb der WordPress-Welt) an. Den Anfang machte Sparkle (en).


Im letzten WordPress Newsletter hatte ich erläutert, dass Gutenberg derzeit nichts für Menschen mit Behinderung ist. Denn der neue Editor ist nicht „accessible“, also zugänglich, für Personen mit Einschränkungen. Matt Mullenweg hat angekündigt, dass sein Unternehmen Automattic einen externen Accessibility-Audit bezahlen wird (en). Die Kosten dafür belaufen sich auf ungefähr 30’000 USD (en).

Sicherheit

Letzten Monat hat’s einige bekannte Plugins erwischt:

WooCommerce <= 3.4.5 hatte eine so genannte „Authenticated File Deletion to Privilege Escalation“-Lücke. Damit konnten Benutzer mit der Rolle „Shop Manager“ beliebige Dateien auf dem Server löschen (dt).


Das WP-GDPR Complience Plugin hatte eine sehr kritische Lücke, die sogar HeiseOnline dazu bewegt hat, einen Artikel zu veröffentlichen (dt). Man sollte unbedingt nachsehen, ob man einen Benutzer namens „t2trollherten“ in seiner WordPress-Benutzerliste hat.


Das AMP-Plugin <= 0.9.97.19 hatte ein Sicherheitsloch, welches es jedem registrierten Nutzer erlaubte, sich bei WordPress anzumelden (en).


Ninja Forms <= 3.3.17 hatte eine XSS-Lücke (en).


Yoast SEO <= 9.1 hatte eine so genannte „Authenticated Race Condition“. Benutzer mit den Rollen „SEO Manager“ konnten Dateien hochladen und diese zur Ausführung bringen (en).


Der Hoster Mittwald hatte E-Mails an alle Benutzer geschickt. Es bestand der Verdacht, dass Daten des Unternehmens abgegriffen wurden.

SEO

Das Yoast-Team hat im vergangenen Jahr ihr SEO-Plugin weiter verbessert und quasi eine Re-Kalibrierung vorgenommen. Dazu haben die Macher auch ein nettes Video gedreht (en).


Google hat das PageSpeed-Insights Tool verbessert (en). Es nutzt jetzt ein Tool namens Lighthouse und gibt andere Ergebnisse zurück, als das vorherige Tool. Testen Sie also Ihre Website neu mit PageSpeed Insights und setzen Sie die neuen Erkenntnisse um.


Dazu passend: @albertomedina würde gerne eine Art Ratschlag-Plugin entwickeln, welches die Resultate aus dem Lighthouse-Tool nimmt und dem User WordPress-spezifische Anweisungen gibt (en). Ja, macht Sinn. Das ist generell ein sehr technisches Thema und bedarf Klärung.


Dazu passend hat Yoast einen Blogartikel rausgeworfen: How site speed influences SEO.


Klar, wenn Seiten schneller laden sollen, dann müssen auch die Bilder optimiert sein. Deshalb gibt’s jetzt ein neues Tool von Google namens Squoosh. Es komprimiert Bilder direkt im Browser (es wird nichts an eine Website übermittelt) (en). Link zur Website.


Stories sind eine tolle Sache. Ich bin zwar kein Freund von Facebook (habe meinen Account vor längerer Zeit gelöscht), aber ich bin ein totaler Fan von Stories in Instagram. Ja, ich weiß: Instagram gehört zu Facebook. Deshalb bete ich dafür, dass Stories für AMP bald WordPress erreicht. Und da tut sich viel. Auf dem Google Dev Summit 2018 hat Weston Ruter gezeigt, wie man Stories in Gutenberg erstellen kann. Soweit mir bekannt, gibt es dieses Plugin aber noch nicht offiziell zum Download.


Das neue, verbesserte AMP-Plugin liegt aktuell übrigens als Release-Candidate 3 vor. Kann also auch nicht mehr allzu lange dauern.


Dazu passend: AMP wurde ursprünglich von Google entwickelt, ist aber jetzt offiziell kein Google-Projekt mehr. Ein neues Governance-Modell ist nun in Kraft getreten und hat damit einen Berater-Ausschuss sowie einen technischen Lenkungsausschuss. Der Großteil der Beteiligten sind keine Google-Mitarbeiter.


Wichtige Frage von Yoast: Wird Gutenberg meine Rankings schlecht beeinflussen? (en): Antwort (natürlich): nein. Aber man muss im Auge behalten, was nach der Aktivierung passiert. Wenn die Website Fehler erzeugt, kann das natürlich Einfluss auf die Sichtbarkeit haben.


Google hat es nun endlich getan: Für ausgewählte Suchbegriffe zeigt die Suchmaschine nun keinen einzigen Treffer mehr an (en). Zum Beispiel für die Anzeige von Zeit oder für die Umrechnung von Einheiten.


Interessant fand ich den Artikel von TorqueMag: 5 SEO-Techniken die nicht mehr länger funktionieren (en). Die meisten sind bekannt, halten sich aber immer noch hartnäckig.

Bis nächstes Jahr!

In diesem Sinne bleibt mir nur noch zu sagen: Frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und bleiben Sie disruptiv!

Ihr Dip.-Ing. (FH) Florian Simeth