Rentiere sind Herdentiere. WordPress ist auch so etwas.

Klopf, klopf! Weihnachten steht vor der Tür. Bei manchen hat es schon geschneit und bei Schnee denke ich irgendwie immer an Hundeschlittenrennen. Oder an Rudolf das Rentier. Wenn wir bei Hunden sind, ist der Begriff des „Rudels“ gar nicht mehr weit. Bei Rentieren wäre es quasi die Herde.

Beim Rudel sind die Führer meist die Älteren Tiere oder aber die, die es sich erkämpfen. Buchcover Eine Herde kann einen Führer haben, sagt der Zoologe Dr. Joerns Fickel. Muss aber nicht. Herden sind oft so groß, dass die einzelnen Tiere sich untereinander nicht mehr kennen. Ähnlich einem großen Unternehmen (oder einer Community). Ist aber auch egal. Grundsätzlich lässt sich unterscheiden zwischen einem Verbund mit Führer („Ich folge dir“) und einem ohne Führer („Ich laufe da hin, wo mein Nachbar hinläuft“).

Vom Rudel …

Da frage ich mich: wo befindet sich da eigentlich die WordPress-Community? Im vergangenen Monat habe ich (noch einmal) das Buch „Tribes“ von Seth Godin gelesen. Dort beschreibt der Autor, wie man seinen eigenen „Tribe“ aufbaut.

Übersetzt heißt Tribe in etwa „Stamm“ oder „Stammeszugehörige“. Es geht also in Richtung Rudel und Herde. Jedoch auf Menschen bezogen. Interessant war das für mich, weil ich plötzlich den Zusammenhang zwischen Matt Mullenweg (CEO von Automattic und Mitgründer von WordPress) und der gesamten WordPress-Community sah.

… zum Tribe

Wir – die Community – sind ja quasi nichts anderes als die Gefolgschaft von Matt Mullenweg. Sein Stamm. Seine Tribe.

Ich gebe zu das hört sich irgendwie freaky an. Keiner will letztlich jemandem „unterstellt“ sein. Aber genau darum geht es. Das Zwischending von Rudel und Herde ist die Tribe. Sie ist frei, kann alles machen, verfolgt aber gemeinsam ein Ziel. Der „Anführer“ ist eher so etwas wie ein „Leiter“. Er gibt nur die Richtung vor, spricht nie von sich selbst, sondern immer von „wir“. Schön zu sehen ist das in Matt Mullenwegs Blogpost zum Thema Gutenberg. Hier ein Beispielzitat (sinngemäß auf Deutsch):

„…. die globale WordPress-Community hat einige der talentiertesten Mitwirkenden der Welt und wir können es so gut machen, wie wir es wollen.“

Und das, obwohl mehr als 35 Automattic-Mitarbeiter fest an WordPress arbeiten. Ein Teil davon an Gutenberg. Sie gehören vielleicht gar nicht zum Tribe, weil sie Angestellte sind die tun, was der Chef sagt. Interessant ist aber, was Matt mit solchen Aussagen erreicht: ein Wir-Gefühl. Wer schon einmal auf einem WordCamp war, der spürt das.

Das geschieht übrigens überall auf der Welt. Denkt man zum Beispiel an Apple und den App-Store: das gleiche System. Der Großteil der Apps kommt eindeutig nicht von Apple. Auch Facebook funktioniert so: ohne Inhalte wäre niemand dort. Wir generieren diese Inhalte, die für die Unternehmen so wertvoll sind.

Uga uga. Wie kriegt man da jetzt die Kurve vom Stammesmitglied zu den WordPress News? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Vielleicht noch ein Tipp: lesen Sie das Buch. Auch dann, wenn Sie keine eigene Tribe haben wollen. Es ist trotzdem höchst interessant die Parallelen zu sehen.

WordPress 5.0 & Gutenberg

Wann kommt denn WordPress 5 nun endlich? Schön, dass Sie fragen. Hier nochmal kurz die Faktenlage:

  1. Ursprünglich war noch eine Version 4.9.9 geplant. Was es darin Neues hätte geben sollen, hatte ich im WordPress Newsletter vom Oktober zusammengefasst.
  2. Dann aber entschied man sich, Version 4.9.9 doch nicht zu veröffentlichen und stattdessen auf Version 5.0 zu warten.
  3. Das neue Datum war dann der 19. November. Dieses Datum konnte aufgrund von Zeitmangel nicht eingehalten werden.
  4. Deshalb verschob man den Release-Termin auf den 27. November. Dieser konnte dann auch nicht mehr eingehalten werden.
  5. Nun gibt es keinen neuen Termin. Aber Matt Mullenweg hat in seinem Blogpost geschrieben, dass Gutenberg fertig sei und dass in der Vergangenheit bereits einige wichtige WordPress-Versionen im Dezember erschienen sind.
  6. Ich rechne also stark mit einem Release noch vor oder während des WordCamp US (7. bis 9. Dezember). Mindestens aber noch im Dezember vor Weihnachten.

Ich denke auch, dass das WordCamp US letztlich immer das Ziel von Matt Mullenweg war. Man muss halt ein bisschen Druck aufbauen, wenn man ein Datum einhalten will.


Einige bekannte Gesichter (unter anderem Joost von Yoast) hatten sich zuvor zu Wort gemeldet und sich dafür eingesetzt, das Release-Datum von WordPress 5.0 zu verschieben (was danach auch geschah). Ich denke, viele hatten sich Januar erhofft (en).


Eine sehr wichtige Nachricht kam dann am 7. November: Der Classic-Editor wird als Plugin von der Community noch bis 31. Dezember 2021 gepflegt und offiziell unterstützt werden (en).


Bei WP-Tavern wurde sogar darüber spekuliert, ob das Classic-Editor Plugin nicht direkt mit WordPress 5.0 ausgeliefert werden soll (en). So wie es auch mit Akismet und HelloDolly schon der Fall ist.


Wenn WordPress 5.0 erschienen ist, wird es alle zwei Wochen ein kleineres Update geben, welches die aktuellen Probleme (wahrscheinlich von Gutenberg) behebt (en).


Matt Mullenweg war auf dem WordCamp Portland zu Gast und stellte sich den Fragen aus der WordPress-Community. Das Video findet man online auf WordCamp.tv (en). Eine Zuschauerin fragte, wie man damit umgehen soll, wenn ein Plugin nicht Gutenberg-kompatibel sei. Interessantes Video. Unbedingt reinschauen.


Matt hatte vergangene Woche dazu eingeladen, mit ihm sprechen zu können. Dafür hatte er sich jeweils 15-Minuten Zeit genommen. 22 Personen nutzen das Angebot. Laut seinem Kommentar war den Menschen folgendes wichtig:

  • Timing of release.
  • Rosetta sites.
  • Data structures of Gutenberg.
  • The parser and formal grammar for Gutenberg.
  • User and developer documentation.
  • Accessibility testing.
  • Admin notices bug.
  • Reusable blocks and templates.
  • Helping people upgrade and learn new systems.
  • GDPR and embeds.
  • Training and workshops.

WordPress News

DJ Walker fragte sich in der letzten Woche, ob es nicht an der Zeit wäre, sich von WordPress abzukehren (en). Seine Empfehlung sind Static-Site-Builders. Ich finde das cool, weil das unglaublich performant sein kann. Funktioniert aber nur, wenn man a) technisch versiert ist und b) eher kleinere Seiten betreibt. Naja, eventuell funktioniert das auch auf großen Seiten (SmashingMag macht das so. – Ob die damit zufrieden sind?). Es ist aber sicherlich nichts für den Allerwelts-Blogger da draußen.


Die Preise für die Tickets zum Besuch eines WordCamps werden 2019 um 5 US-Dollar pro Person pro Tag steigen (en).


WordPress 5.0 wird auch PHP 7.3-Support haben (en). Dann können wir alle auch PHP updaten!


BuddyPress ist in Version 4 erschienen (en). Hauptfokus lag auf den Privatsphäre-Einstellungen.

Gutenberg News

Gutenberg wurde der neue Editor von WordPress getauft. Er wird mit Version 5.0 ausgeliefert und fleißig weiterentwickelt. Hier die Veränderungen im letzten Monat:

  • Gutenberg ist „feature complete“. D.h. es kommen keine neuen Funktionen mehr hinzu bis WordPress 5.0 erscheint.
  • Version 4.3 behob also viele Fehler. Vor allem betreffend der Accessibility (Zugänglichkeit für benachteiligte Menschen).
  • Version 4.4 verlegt das Editieren des Permalinks in die Sidebar.
  • Version 4.5 brachte die Funktion zurück, dass Bilder nun wieder die srcset- und sizes-Attribute bekamen. Ganz wichtig für die mobile SEO-Optimierung.
  • Version 4.6: viele Fehlerbehebungen.

Gutenberg wurde aktuell rund 1.2 Millionen mal installiert (en).


Die WordPress App wird Gutenberg-Support bekommen. Allerdings nicht vor Februar 2019. Eine erste Beta ist nämlich bis zu diesem Zeitpunkt geplant (en).


Jessica Lyschik hat mit gutenberg-fibel.de eine Info-Seite zum neuen Block-Editor geschaffen.


Mit dem BlockLab-Plugin lassen sich eigene Gutenberg-Blöcke bauen (en).


Mit WPStackable gibt es ein weiteres Plugin mit noch mehr Gutenberg-Blöcken (en).


David Bisset hat 40 Schülern der Generation Z über die Schulter geschaut und sie gefragt, ob sie mit Gutenberg umgehen können. 96,8% sagten „ja, nachdem ich mich ein bisschen damit auseinander gesetzt hatte“ (en).


Bill Erickson schrieb in seinem Blog darüber, wie man Gutenberg-Blöcke mit Advanced Custom Fields baut (en).


Nachdem WordPress 5.0 erschienen ist, wird Phase 2 der Gutenberg-Entwicklung losgehen. Das heißt: Fokussierung auf Sidebars, Widgets, Menüs, etc.


Mel Choyce – eigentlich verantwortlich für das Plugin-Repository bei WordPress.org – schaut sich derzeit verschiedene Site-Builder (auch außerhalb der WordPress-Welt) an. Den Anfang machte Sparkle (en).


Im letzten WordPress Newsletter hatte ich erläutert, dass Gutenberg derzeit nichts für Menschen mit Behinderung ist. Denn der neue Editor ist nicht „accessible“, also zugänglich, für Personen mit Einschränkungen. Matt Mullenweg hat angekündigt, dass sein Unternehmen Automattic einen externen Accessibility-Audit bezahlen wird (en). Die Kosten dafür belaufen sich auf ungefähr 30’000 USD (en).

WordPress Entwickler News

Der Classic-Editor wird als Plugin von der Community noch bis 31. Dezember 2021 gepflegt und offiziell unterstützt werden (en). Das bedeutet für uns Plugin-Entwickler: doppelte Arbeit für ungefähr drei Jahre.


Gary Pendergast hat im WordPress-Make-Blog zusammengefasst, welche Metabox-Flags es in Version 5.0 neu geben wird. Zur Erinnerung: Aufgrund von Gutenberg haben Metaboxen im klassischen Sinne ausgedient (en).


Irgendwie bin ich ja kein begeisterter JavaScript-Fanboy. Ich empfinde es als sehr fehleranfällig. Aus früheren Support-Anfragen weiß ich, dass ein kleines JavaScript alles zerstören kann. Ich bin gespannt, wie WordPress das zukünftig lösen wird. Gerade in Hinsicht auf Gutenberg. Auf der anderen Seite sehe ich auch, wie Matt im oben genannten Blogpost erwähnt hat, dass es die Cross-Plattform-Collaboration deutlich vereinfacht.


Kinsta hat einen Blogpost veröffentlicht der vorstellt, wie viel ein WordPress Entwickler im Schnitt verdient (en).


Das TorqueMag hat in einem schönen Blogbeitrag gezeigt, wie sich die WP-CLI zur Automatisierung benutzen lässt (en).


John Blackbourn hat seinem populären Query-Monitor Plugin eine Gutenberg Block-Debugging-Funktion spendiert (en).


Plugins werden keine „Tested-Up-To“-Feld in der readme.txt für PHP-Versonen bekommen (en).

Entwickler News

Interessante CSS-Snippets die jeder innerhalb von 30 Sekunden verstehen und lernen kann (en).


Bei CSSWizardry erschien ein technischer Artikel zum Thema CSS und Netzwerk-Performance (en).


HTTP/3 ist in der Pipeline. Daniel Stenberg hat berichtet, dass der Name geändert wurde. Zuvor sollte der Standard QUIC heißen.


Google hat eine neue Website gelaunched: web.dev soll (Web-)Entwicklern dabei helfen, bessere (Web-)Entwickler zu werden (en).


Der bekannte Webserver NGINX arbeitet an etwas, das das Team NJS nennt. JavaScript-Code der sozusagen im Webserver laufen kann (en).


Igor Benić hat darüber geschrieben, wie sich das @wordpress/hooks JavaScript-Paket (in eigenen JavaScript-Apps) nutzen lässt (en).


PWA. Schonmal gehört? Progressive Web App. Alle Techniken die dazu gehören: ein Guide auf SmashingMag zeigt es (en).

JavaScript News

NativeScript ist in Version 5.0 erschienen und kommt unter anderem mit Hot Module Replacement (dt).


Evan You hat Vue.JS 3.0 vorgestellt (en). Es braucht nur noch die Hälfte an Speicher und ist auch nur noch halb so groß.


Geniale Aussage von HeiseOnline: „Alle lieben VueJS“. Das Ding ist nur: Mit WordPress 5.0 wird React auf mehr als 30% aller Websites im Internet zumindest integriert sein.

Bis nächstes Jahr!

In diesem Sinne bleibt mir nur noch zu sagen: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Ich hoffe, Sie sehen Rudolf!

Ihr Dip.-Ing. (FH) Florian Simeth