Neues Jahr, neues Glück. Ich hoffe, Sie sind gut „rüber gekommen“ und haben die „Stille Zeit“ genießen können. Und nun geht es wohl mit guten Vorsätzen in’s neue Jahr. Falls nicht, habe ich gleich einen sehr guten Buchtipp für Sie als Entwickler. Aber erst rudern wir noch einmal kurz zurück:

Natürlich können Sie den Begriff „Rückblick“ nicht mehr hören. Trotzdem muss ich nochmal kurz in das Jahr 2016 zurück gehen. Und zwar zu meinem Nicht-Entwickler-Newsletter indem ich angerissen habe, wie es mit WordPress 2017 weiter gehen wird. Auslöser war das WordCamp US beziehungsweise die State of the Word von Matt Mullenweg, in dem er seine Pläne für 2017 vorlegte. In Kürze:

  • Der reguläre Release-Zyklus fällt weg. Es wird wohl mehrere (kleinere) Versionssprünge quer durch das gesamte Jahr geben.
  • WordPress setzt mehr und mehr auf die REST-API bzw. Calypso (JavaScript, React, etc.).
  • Die Usability soll erhöht werden. D.h. mehr Design-Thinking in WordPress.

Die Details können Sie – wie gesagt – im vergangenen Newsletter nachlesen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf den letzten Punkt etwas genauer eingehen, denn von REST-API, JavaScript, React, etc. haben auch Sie vermutlich in den vergangenen Monaten einfach schon die Ohren voll.

Von Code zu Design

Als ich in den 90ern anfing zu Coden ging ich nicht den Weg über Photoshop. Ich fing mit HTML und CSS an und kam dann zu PHP. Photoshop kam erst viel später dazu. Und zwar nicht für Webdesign sondern für andere künstlerische Zwecke. Das ist wohl das Vorgehen, das heute die Regel ist. Schon 2014 auf dem WordCamp in Köln saß ich in einem Vortrag in dem erwähnt wurde, dass viele zukünftige Programmierer heute direkt von WordPress zu PHP kommen. Ohne Umwege über Photoshop, HTML oder ähnlichem. Es ist wohl auch bekannt, dass Designer und Entwickler eine Hassliebe pflegen. Ich merke das ganz oft auch an den Bewerbungen, die ich erhalte. Einer der ersten Sätze die ich höre ist: „Ich will nicht Designen sondern Coden“.

Das ist okay. Auch ich habe das am Anfang immer gesagt. Denn für viele Menschen ist Coden einfacher. Es ist logischer und funktioniert immer auf die (mehr oder weniger) gleiche Art. Am Ende steht eine Null oder eine Eins. True oder False. Das funktioniert beim Design nicht immer. Aber dazu gleich mehr.

Der Kunde braucht aber meist beides: Code und Design. Egal ob man eine komplette Website erneuert oder nur ein Plugin entwickelt. Design ist immer im Spiel. Und wir wissen aus der Geschichte von Apple wie wichtig es für den Verkaufserfolg sein kann. Bei 1 Milliarde Websites gibt es viele, die das selbe verkaufen. Wie hebt man sich hervor? Na über ein passendes Layout, schöne Farben, viel Weißraum, und so weiter. Daher gilt:

Das Verständnis über Design wird immer wichtiger.

Von Design zu Code

  • Beim Entwurf einer Landingpage will man sicher gehen, dass der Kunde eine bestimmte Aktion durchführt (Call-To-Action).
  • Und bei einem WordPress Plugin will man, dass er sich zurecht findet (User-Experience-Design).
  • Design ist also vielschichtig. Nur wo fängt man an?

In der Kunsttheorie gibt es viele Regeln aber diese sind oft nicht bekannt. Der Grund ist, dass wir uns meist nicht damit beschäftigen. Wir sehen Dinge, Objekte, Visitenkarten und vieles mehr und bezeichnen sie als „schön“ oder „nicht schön“, können aber nicht sagen, warum das so ist. Das liegt sicherlich auch daran, dass uns niemand ein gegenteiliges Beispiel zeigt.

„Ästhetik liegt im Auge des Betrachters“, sagen Sie? Das stimmt. Aber es gibt allgemeingültige Regeln, die jedes Design für die meisten Menschen ästhetisch macht. Und diese sollten Sie kennen.

Durch meine jahrelange, autodidaktische Lernweise sowie durch das Studium konnte ich vieles lernen. Aber man lernt eben nie aus. Gerade, wenn man den ganzen Tag nur entwickelt und nicht gestalterisch tätig ist. Von daher sollte man sich von Zeit zu Zeit einmal mit Themen beschäftigen, die außerhalb der eigenen Interessengebiete liegt.

Das Design-Buch für Nicht-Designer
Das Design-Buch für Nicht-Designer

Sehr positive Erfahrungen habe ich mit dem Buch „Das Design-Buch für Nicht-Designer“ gemacht, welches ich vergangenes Jahr von einem befreundeten Designer geschenkt bekommen habe. Vieles kannte ich schon aber es bringt auf wenigen Seiten auf den Punkt, warum manche gestalterische Dinge funktionieren und manche nicht.

Ich weiß: Coder hassen Bücher. Aber tun Sie mir den gefallen und kaufen Sie sich zumindest dieses eine Buch, wenn Sie sonst nichts anderes zum Thema zu Hause haben. Es hat nicht viel Text aber sehr viele (farbige) Beispiele, die Ihnen die Augen öffnen werden.

Ganz sicher werden Sie zu einem besseren Coder, wenn Sie auch ein wenig Design-Verständnis haben.

WordPress News

Jetzt ist die beste Zeit dafür die Plugin-Entwicklung und Vermarktung anzupacken. Der Plugin-Markt ist nämlich noch lange nicht tot. 2016 gab es 1,48 Milliarden Plugin-Downloads. Das entspricht einem Wachstum von 34%. Tendenz steigend. Quelle: Post Status Tweet.


In diesem Zusammenhang vielleicht auch interessant: Wie werden eigentlich Plugins reviewed? (engl.).


WooCommerce wird auf 42% aller Shop-Websites genutzt, berichtet Stuard Duff auf seiner Website (engl.).


WP-CLI kommt unter die Haube von WordPress.org (engl.). Daniel Bachhuber versucht seit längerer Zeit, die Finanzierung (engl.) des populären Konsolen-Tools hinzubekommen. Anscheinend vergebens. Jetzt hat sich Matt Mullenweg eingeschaltet und versprochen, weiter Unternehmen dazu zu bringen, in die CLI zu investieren.


Super, dass die Entwicklung von WP-CLI weiterhin gesichert ist. Denn viele Plugins bauen mittlerweile darauf auf. So auch WooCommerce. Die Version 2.7 bekam nämlich viele neue CLI-Funktionen spendiert (engl.).


Auch WordPress geht in Richtung VR (Virtual Realtity). Das populäre Plugin Jetpack bekommt bald neue VR-Möglichkeiten wie z.B. 360°-Fotos (engl.).


Es gibt eine neue Sicherheitslücke im PHP-Mailer (dt.), die die Ausführung fremden Codes erlaubt. PHPMailer ist auch in WordPress integriert. Laut Lead Developer dd32 ist WordPress von dieser Lücke allerdings nicht betroffen (engl.).


Es gibt ein neues Plugin, welches den Above-The-Fold-Content erkennen soll und das CSS anscheinend entsprechend schneller lädt. Ich hab’s nicht getestet, finde die Idee aber sehr interessant.


Hosting & Entwickler News

Das Ende des aktiven Supports für PHP5 ist gekommen (dt.).


PHP7.1 bekommt Nullable Types (dt.). Funktionen können damit entweder einen bestimmten Typen oder Null zurückgeben. Hier das Beispiel von heiseOnline:


function rechne(?string $test): ?int { 
  return 123;             // erlaubt
  return null;            // erlaubt
  if ($test) {            // testet den Parameter (nicht null)
    return $test;         // Fehler
 } 
}

TravisCI ist eine Website, die automatisches Testen vereinfachen soll. DeliciousBrains hat einen Artikel veröffentlicht, wie man WordPress Plugins mit TravisCI deployed (engl.).


Wer eine reine Web-App schreiben will braucht evtl. eine so genannte APP-Manifest-Datei. Daraus ziehen sich die Betriebssysteme weitere Infos, z.B. für das Icon. Was man noch alles anstellen kann, hat Stéphanie Walter auf SmashingMagazine detailliert beschrieben (engl.).


1&1 übernimmt Strato (dt.).


Tools & App News

Pressmatics wurde von Flywheel gekauft und ist jetzt kostenlos erhältlich. Mein Lieblings-Tool für die lokale WordPress-Entwicklung war seit Ende letzten Jahres Pressmatics.


Aber natürlich gibt es noch andere Tools. Zum Beispiel Laravel Valet, ein minimalistisches Tool für die Webentwicklung auf auf dem Mac.


Ashley Nolan hat die Endresultate der Umfrage „The State of Front-End-Tooling 2016“ vorgestellt (engl.). Über 4700 Entwickler haben teilgenommen. Damit dürften die Ergebnisse doch sehr repräsentativ sein. Besprochen werden CSS-Processors, Naming-Schemes, Linting, Task Runners und viele mehr.


In diesem Zusammenhang auch interessant: welche Apps benutzen andere Entwickler überhaupt? Tom McFarlin hat seine Liste online geteilt (engl.).


Auf Github findet man jetzt ein Frontend-Tool für NPM.


Passend um die Weihnachtszeit hat Florian Brinkmann auf T3N einen Artikel mit viel Lesestoff veröffentlicht: Diese Referenzen sollten Webworker kennen (dt.).


Wer mit PHP etwas rumhacken will, sollte sich mal PSYSH genauer anschauen. Damit läuft PHP in Echtzeit in der Konsole. Zeile für Zeile. Interessant ist, was passiert, wenn man einen Fatal-Error erzeugt: der Code läuft einfach weiter. Hier ein Video mit Erklärungen dazu (engl.).


Hier steht, warum Sie JavaScript-Dateien lieber mit dem Keyword defer anstatt async laden sollten (engl.). Die kurze Antwort: „Async“ lädt zwar asynchron. Der Code wird aber trotzdem „nur“ nacheinander ausgeführt. Das ist bei „defer“ nicht der Fall.


HappyDev

„Pro Bono“ hört keiner gerne. Denn es bedeutet mehr oder weniger „kostenlos“. Was man als Bezahlung erhält ist (vielleicht) mehr Ansehen, mehr Kenntnisse und mehr Fertigkeiten (was ja auch nicht schlecht ist). Wibowo Sulistio sprach auf dem Wordcamp Denpasar (Bali), welche Projekte er für soziale Zwecke umgesetzt hat (engl., leider mit etwas schlechtem Ton).


Über Preise, Kosten und Honorare zu sprechen mag keiner. Bei einer Preisdiskussion spricht man nicht nur über die nackten Zahlen, sondern auch über den Wert der Arbeit den man abliefert. Und ein kleiner Preis schmälert diesen Wert, sagte Luca Sartoni auf dem WordCamp US. Hier der Blogbeitrag dazu (engl.).


Sie suchen nach neuen Möglichkeiten, mit WordPress Geld zu verdienen? Vielleicht hilft Ihnen dieses 12-Minuten-Video von PluginTut (engl.) auf eine Idee zu kommen: 15 Wege um mit WordPress Geld zu verdienen.


Fundus

Für alle Frontend-Entwickler interessant. Eine neue Website: CSSreference.io.


Immer wieder kommt es zu Problemen bei Relaunches? WP-Engine zeigt 15 typische Fehler auf, die sich im Vorfeld vermeiden lassen (engl.).


Yoast wagt nun auch den Schritt aus der WordPress-Welt heraus: Das SEO-Plugin gibt es jetzt auch für TYPO3 und Magento (engl.).

 

Das war’s! Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das neue Jahr 2017 und weiterhin viel Erfolg!

Ihr Dipl. Ing. (FH) Florian Simeth